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MrGay Switzerland 2009

Interview mit Ricco Müller.
Die Fragen wurden von Stefan Schüpbach von GayBern gestellt.

Photo by Salvatore D'Angelo, www.morning-wood.org 

Stefan: Wie hat Dein Amtsjahr als Mr. Gay Schweiz ausgesehen? Was waren die Höhepunkte? Was war nicht so toll daran?
Ricco: Mein Amtsjahr als Mr.Gay ist eine Herausförderung und es ist hart, immer alles durchstehen zu können. Doch als Schwuler und Gehörleser musste ich früh lernen zu kämpfen und selbstbewusst zu sein. Mein höchster Höhenpunkt war, dass ich enorm viele Anfragen aus dem Ausland hatte und habe. Die Tatsache, dass ich als erster Gehörloser weltweit einen Mister Titel geholt habe, hat das Interesse an mir nicht nur
in der Schweiz sondern auch im Ausland zusätzlich verstärkt. Zusammen mit Amanda Lepore auf der Bühne stehen  durfte, und mit ihr auch Auftritte in den USA zu machen war toll. Sehr freue ich mich auch auf meinen Besuch in Kurt Aeschbachers  Talkshow am 3. Dezember. Damit geht ein weiterer Traum in Erfüllung. Durch meinen grossen Erfolg merkte ich jedoch auch, wer meine waren Freunde sind und dass es immer auch Neider und falsche Leute gibt. Doch man muss auch mit falschen Gerüchten und Kritik umgehen können. Geschockt war ich während den Wahlen in Oslo. Dort gab es trotz hartem und intensivem Programm jeden Tag nur Salat zum Mittagessen. Das hat auf mein Selbstbewusstsein geschlagen und ich habe mich wie eine Magermodel gefühlt während der Mr.Gay Europe Wahl in Oslo. Anders als in der Schweiz, wo es eher darum geht, ein Botschafter für die Schwulen zu sein und sich auf politischer und sozialer Ebene für eine positives Gay-Image einzusetzen, geht es bei den Mr.Gay Wahlen im Ausland hauptsächlich um Beauty.

Kommt auf einen Mr. Gay Schweiz so viel zu wie zum Beispiel auf einen Mister oder eine Miss Schweiz in ihrem Amtsjahr?
Als ich mich mit den anderen Kandidaten in Oslo verglichen habe, sah ich schon, dass Mister & Miss Wahlen in der Schweiz einen viel höheren Stellenwert haben als im Ausland und dass sich auch die internationalen Medien viel mehr für mich interessierten als für andere. Zudem hat es mich auf gefreut, dass die norwegische Community der gehörlosen Gays mich voll unterstützt hat. Also im Vergleich mit den Mr.Gays aus dem Ausland sind das Engagement und die Medienpräsenz hierzulande viel höher. Gleichzeitig ist es aber so, dass der Titel Mr.Gay natürlich niemals so stark kommerzialisiert ist wie die Titel Mr. & Miss Schweiz. Gays sind nun mal eine Randgruppe und viele Firmen haben noch nicht den Mut, mit dem Mr.Gay zu werben und sich ein gayfriendly Image aufzubauen. Viele Sponsoren haben noch nicht verstanden, dass Gays eine interessante Zielgruppe sind. Doch beim Titel Mr.Gay geht es auch weniger darum – viel wichtiger ist es, etwas für die wahre Gleichstellung der Gays zu erreichen.

 

Du wurdest als erster Schweizer zum Mr. Gay International gekürt. Wir gratulieren und sind stolz, dass Du unser kleines Land international repräsentierst. Wie fühltest Du Dich, als Du zum Sieger gekrönt wurdest?
Es war ein unglaublich emotionaler und ergreifender Moment. Ich war tief gerührt, zitterte am ganzen Körper und hatte Tränen in den Augen. Es war schliesslich das erste Mal überhaupt, dass ein internationaler Mister oder Miss Titel in die Schweiz verliehen wurde. Dank diesem Titel kann ich nicht nur in der Schweiz viel für die Gays bewirken, sondern auch im Ausland, wo die Diskriminierung oft viel schlimmer ist. Auch den Gehörlosen kann ich so international eine Stimme geben.

Was erwartet Dich nun als Mr. Gay International? Gehst Du auf „Welttournee“?
Ich habe bisher noch keinen Agenten dafür gefunden, versuche jedoch selbständig von verschiedenen Firmen Aufträge zu kriegen. Ab und zu werde ich aus New York angefragt für eine Fotossession. Im Januar bin ich in England eingeladen. Es gibt viele Länder, die mich dabei haben wollen, doch manchmal bin ich für sie zu teuer, um mich zu Buchen oder die nationalen Organisationen können sich die Reisespesen nicht leisten. Das finde ich sehr schade. Die Weltweite Präsenz findet deshalb vor allem in den Medien statt – mit Interviews oder Fotostrecken.
 
Wie hat dein Umfeld auf die Titel reagiert? Und wie die Leute in Deinem Heimatdorf?
Sie sind sehr glücklich darüber, dass ich gewonnen habe und können heute immer noch nicht fassen dass ich die 2 Titeln geholt habe für die Schweiz und sind sehr stolz darauf. Sogar die kleinen Lokalblättchen, die wohl kaum je über das Thema Gay geschrieben haben (geschweige denn positiv), haben mich stolz auf die Titelseite gehievt und seitenweise über mich geschrieben. Sehr positiv also. Oft höre ich auch, dass die schwulen Männer sehr stolz auf mich sind, weil ich der richtige und wahre Mister Gay bin, welcher für alle steht und offen für alle ist. Gerade in ländlichen Gegenden, wo die Gay-Meiden nicht hinkommen, bewirkt das sehr viel. Die Leute gehen viel offener mit dem Thema um und die Schwulen, die viellfach versteckt lebten, entwickeln ein neues Selbstbewusstsein. Nicht einfach hingegen war es für meine Mutter, weil sie immer wieder damit konfrontiert wurde. Wenn sie einkaufen ging, zeigen die Leute mit dem Finger auf sie. Diese Sitution war neu für sie gewesen, doch mit der Zeit hat sie sich daran gewöhnt. Also insgesamt wird alles sehr positiv aufgenommen und ich habe abgesehen von der Sache mit der Familienlobby an der Europride nie etwas Negatives erlebt.
 
Was bedeuten Dir selber die beiden Titel? Und, zurückblickend, würdest Du Dich nochmals anmelden?
Die Titel sind mein Verdienst, wofür ich mein Leben lang gekämpft habe, das ist eine Art Anerkennung! Ich bin glaub ich dafür geboren. Ob ich mich wieder nochmals anmelden mag, kann ich nicht sagen. Es ist eine lehrreiche und spannende Sache mit vielen Chancen. Aber es ist auch hart, immer in der Öffentlichkeit zu stehen und immer mit Argus-Augen beobachtet zu werden.

Du bist gehörlos. Für die Wahlen war das offenbar kein Nachteil. Wie sieht es damit sonst in Deinem Leben aus? Wie gehst Du damit um?
Ja ich bin auch erstaunt darüber dass es kein Nachteil war. Die Vorbehalte gegenüber Gehörlosen sind in der Schweiz gross und es wird zu wenig getan. Am Anfang konnte ich mit meinem Ruhm, den ich zurzeit erlange, nicht umgehen, es war alles komplett neu für mich. In einer Nacht ist alles anders geworden. Ich fühlte mich plötzlich alleine, musste oft weinen, weil ich es komisch gefunden habe, wildfremde Menschen treffen zu müssen, und dadurch auch auf viele falsche Leute gestossen bin. Aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und damit gelebt, dass ich, wenn ich auf Partys gehe, in einem Glaushaus stecke und die Leute zu mir herauf schauen. Das gibt mir heute den Adrenalinkick, weiterhin an mir zu arbeiten. Jetzt geniesse ich das wirklich und tue das gerne!

Photo by Salvatore D'Angelo, www.morning-wood.org

Wie ist es in der Szene, wie reagieren die Leute auf Deine Gehörlosigkeit?
Die einen findet es toll, dass ich es geschafft habe und sind mächtig stolz auf mich, auch weil ich am Boden geblieben bin. Jazzmin Dian Moore hat mir mal gesagt, dass es eine Gabe ist, und das hat mich gerührt! Die Leute sind auch nicht mehr gehemmt dadurch, und reden oft und gerne mit mir. Und andre sind wohl auch Neider, weil sie mir das Wasser nicht reichen können – z.B. ein Kandidat aus der Wahl kann heute immer noch nicht verarbeiten, dass ich ihn aus dem Rennen geschlagen habe!

Konntest Du während Deines Amtsjahres auf die Anliegen der Gehörlosen aufmerksam machen? Und was sind Eure Anliegen?
Ja, ich repräsentiere 2 Minderheiten zeitgleichzig: Die Gemeinschaft der Gehörlosen sowie die Gay-Community - und es hat funktioniert. Die Leuten wissen nun wie der Gehörlose wirkt und was die Gehörlosen brauchen. Ich bin nur am aufklären, wie man mit den Gehörlosen umgehen sollte. Und zeige, dass sie genau gleich wie wir sind. Nur hören können sie nun mal nicht. Dabei sind sie aber viel schlauer, als man denkt. Unser Anliegen ist, dass die Gebärdensprache, die wirklich unsere Muttersprache ist, als Landessprache anerkannt wird und es zum Beispiel am Fernsehen mehr Sendungen mit Untertiteln gibt usw. Eine wichtige Erkenntnis aus den Mr.Gay Wahlen sollte sein, dass die Schweiz nicht vier, sondern 5 Landessprachen hat.

Du bist frisch verliebt. Wer ist der Glückliche?
Naja, wer will schon mit einem Mister Gay eine Beziehung führen :-). Daher: kein Kommentar!

Dein Amtsjahr ist bald zu Ende. Was wirst Du danach tun, was sind Deine Zukunftspläne?
Es ist noch nicht vorbei – erst am 27. März 2010 übergebe ich den Titel meinem Nachfolger. International gesehen diene ich für die Schweiz noch bis im Juni als Botschafter und bin ein Repräsentant der Schweiz in der Welt. Jedoch habe ich viele Zukunftspläne: Ich bin in Verhandlungen mit einem Buchverlag, wo ich eine Biografie über mein Leben als Gehörloser und die Diskriminierung, die ich erlebt habe, veröffentlichen werde. Und ich werde mich fortan auf meine Karriere als Fashion-Photographer konzentrieren, siehe meine Homepage: http://the-rimus.com. Nebenbei werde ich weiterhin Modeln und vielleicht die Uni in New York besuchen – das steht noch offen!
 

MrGay History

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Alliance Award


 

Am Grand Finale der MrGay Schweiz Suisse Svizzera Wahlen 2011 wird erneut neben dem Titel MrGay der MrGay Alliance Award verliehen.

Im Jahr 2010 ging der Award an die Zürcher Kantonalbank ZKB für Ihre speziell für Gays entwickelten Beratungsangebote, Informationsveranstaltungen und eine völlig normale Kampagne, welche Gays nicht als komische Randgruppe sondern als Zielgruppe wie Golfer oder Kulturinteressierte anspricht.

Nominiert waren 2010 sieben Firmen und Organisationen, darunter ein Betrieb der öffentlichen Hand, zwei IT Konzerne und zwei Namen aus der Tourismusbranche.

Die MrGay Alliance setzt sich aus Opinionleadern und Businessleuten, aus Medienvertretern und Gönnern von MrGay zusammen.

Dieses hochqualifizierte Gremium verleiht den MrGay Alliance Award an eine Person, Firma oder Organisation, die sich gleichermassen wie der MrGay selber für Gays und dafür eingesetzt hat, dass schwul sein als so normal und alltäglich angesehen wird, wie es das auch ist.

Der MrGay Alliance Award wird am MrGay Schweiz Suisse Swizzera 2011 Grand Finale dem Sieger als Nachfolger der ZKB überreicht.

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